Aktien analysieren und bewerten

Aktien analysieren und bewerten – einfach erklärt

Warum ist eine Aktie 20 Euro wert und eine andere 200 Euro? Ist eine günstige Aktie automatisch ein gutes Investment? Wer Unternehmen besser verstehen möchte, sollte wichtige Kennzahlen kennen und nicht nur auf den Aktienkurs schauen. In diesem Beitrag lernst du die Grundlagen der Aktienanalyse verständlich kennen.

Was bedeutet Aktienanalyse?

Bei der Aktienanalyse untersuchst du ein Unternehmen und seine Aktie, um Chancen und Risiken besser einschätzen zu können. Dabei geht es beispielsweise um Umsatz, Gewinn, Schulden, Wachstum, Wettbewerb und den Preis, den Anleger für die Aktie bezahlen.

Eine Analyse kann bei der Entscheidungsfindung helfen. Sie kann aber nicht sicher vorhersagen, wie sich ein Aktienkurs in Zukunft entwickelt.

Fundamentalanalyse: Das Unternehmen verstehen

Bei der Fundamentalanalyse stehen die wirtschaftlichen Grundlagen eines Unternehmens im Mittelpunkt. Anleger betrachten beispielsweise Geschäftsmodell, Umsatzentwicklung, Gewinne, Schulden und zukünftige Chancen.

Wichtige Fragen sind:

  • Was verkauft das Unternehmen, und wie verdient es Geld?
  • Steigen oder sinken Umsatz und Gewinn?
  • Wie hoch sind die Schulden?
  • Hat das Unternehmen Wettbewerbsvorteile?
  • Ist der Aktienpreis im Verhältnis zu den Geschäftszahlen plausibel?

Was ist der Umsatz?

Der Umsatz bezeichnet die Einnahmen, die ein Unternehmen aus dem Verkauf seiner Produkte oder Dienstleistungen erzielt, bevor die betrieblichen Kosten abgezogen werden.

Steigender Umsatz kann auf ein wachsendes Geschäft hindeuten. Er allein beweist jedoch nicht, dass ein Unternehmen profitabel ist. Wenn die Kosten noch stärker steigen, kann trotz höherer Umsätze ein Verlust entstehen.

Was ist der Gewinn?

Der Gewinn ist vereinfacht gesagt der Betrag, der nach Abzug der relevanten Aufwendungen und Kosten übrig bleibt. Für die Aktienanalyse ist insbesondere wichtig, ob ein Unternehmen dauerhaft Gewinne erwirtschaftet und wie sich diese entwickeln.

Ein einzelnes besonders gutes oder schlechtes Geschäftsjahr sollte nicht isoliert betrachtet werden. Auch Sondereffekte können den ausgewiesenen Gewinn beeinflussen.

Was bedeutet das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie.

Vereinfachte Formel:

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Beispiel: Eine Aktie kostet 100 Euro. Der jährliche Gewinn des Unternehmens beträgt rechnerisch 5 Euro je Aktie. Das KGV liegt bei 20.

Ein KGV von 20 bedeutet nicht, dass du dein eingesetztes Geld nach genau 20 Jahren zurückerhältst. Gewinne können schwanken, und der Aktienkurs verändert sich. Außerdem berücksichtigt das KGV nicht alle Aspekte eines Unternehmens.

Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung hindeuten, aber auch auf Probleme oder geringe Wachstumsaussichten. Ein höheres KGV kann hohe Erwartungen an zukünftige Gewinne widerspiegeln.

Was ist die Dividendenrendite?

Einige Unternehmen schütten einen Teil ihres Gewinns oder ihrer verfügbaren Mittel an Aktionäre aus. Diese Zahlung nennt man Dividende.

Die Dividendenrendite setzt die jährliche Dividende je Aktie ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs.

Vereinfachte Formel:

Dividendenrendite = jährliche Dividende je Aktie ÷ Aktienkurs × 100

Beispiel: Eine Aktie kostet 50 Euro und zahlt rechnerisch 2 Euro Dividende pro Jahr. Die Dividendenrendite beträgt 4 Prozent.

Die Dividende ist nicht garantiert. Unternehmen können Ausschüttungen reduzieren, aussetzen oder streichen. Eine hohe Dividendenrendite allein ist deshalb kein ausreichender Grund für einen Aktienkauf.

Was bedeutet Marktkapitalisierung?

Die Marktkapitalisierung beschreibt den gesamten Börsenwert der Aktien eines Unternehmens.

Formel: Aktienkurs × Anzahl der ausgegebenen Aktien.

Beispiel: Ein Unternehmen hat eine Million Aktien, die jeweils 50 Euro kosten. Die Marktkapitalisierung beträgt 50 Millionen Euro.

Die Marktkapitalisierung ist nicht dasselbe wie der gesamte Unternehmenswert einschließlich Schulden und liquider Mittel. Für einen umfassenderen Vergleich können weitere Kennzahlen erforderlich sein.

Was ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)?

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis vergleicht den Börsenwert eines Unternehmens mit seinem bilanziellen Eigenkapital. Es wird häufig als ergänzende Kennzahl verwendet.

Ein niedriges KBV ist nicht automatisch ein Kaufsignal. Die Aussagekraft hängt stark von der Branche, der Qualität der Vermögenswerte und der Ertragskraft des Unternehmens ab. Bei manchen Geschäftsmodellen ist das KBV weniger aussagekräftig.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

Kennzahl Was sie zeigt Worauf du achten solltest
Umsatz Einnahmen aus dem Geschäft Entwicklung und Wachstum
Gewinn Ergebnis nach relevanten Kosten Stabilität und Gewinnqualität
KGV Kurs im Verhältnis zum Gewinn je Aktie Bewertung, Wachstum und Risiken
Dividendenrendite Jährliche Dividende im Verhältnis zum Kurs Nachhaltigkeit der Ausschüttung
Marktkapitalisierung Börsenwert der Aktien Größe des Unternehmens am Markt
KBV Börsenwert im Verhältnis zum bilanziellen Eigenkapital Branche und Aussagekraft der Bilanz

Technische Analyse: Den Kursverlauf untersuchen

Bei der technischen Analyse betrachten Anleger Kursverläufe, Handelsvolumen und verschiedene Indikatoren. Sie versuchen, Trends oder wiederkehrende Muster zu erkennen.

Beispiele sind Unterstützungs- und Widerstandsbereiche, gleitende Durchschnitte oder der Relative-Stärke-Index (RSI).

Die technische Analyse unterscheidet sich von der Fundamentalanalyse: Sie untersucht vor allem Marktdaten und Kursbewegungen, während die Fundamentalanalyse die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens betrachtet. Beide Methoden haben Grenzen und liefern keine sicheren Vorhersagen.

Wie erkennst du eine gute Aktie?

Eine gute Analyse betrachtet mehrere Faktoren gemeinsam. Dazu können gehören:

  • Ein verständliches und tragfähiges Geschäftsmodell
  • Eine solide finanzielle Situation
  • Nachvollziehbare Umsatz- und Gewinnentwicklung
  • Ein realistischer Blick auf Schulden und Risiken
  • Eine Bewertung, die zu den Geschäftsaussichten passt
  • Ein Bewusstsein für Wettbewerb und mögliche Veränderungen in der Branche
Wichtig:

Auch ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen kann eine überteuerte Aktie haben. Umgekehrt kann eine scheinbar günstige Aktie wegen ernsthafter Probleme weiter fallen. Qualität und Bewertung sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden.

Welche Fehler sollten Anfänger vermeiden?

  • Nur auf einen niedrigen Aktienkurs zu achten
  • Eine Aktie allein wegen einer hohen Dividendenrendite zu kaufen
  • Einzelne Kennzahlen ohne Branchenvergleich zu beurteilen
  • Kurzfristige Kursbewegungen mit langfristigem Unternehmenserfolg gleichzusetzen
  • Risiken, Schulden und mögliche Verluste zu unterschätzen
  • Geld zu investieren, das für laufende Ausgaben oder Notfälle benötigt wird

Häufige Fragen zur Aktienanalyse

Ist eine Aktie mit niedrigem KGV immer günstig?

Nein. Ein niedriges KGV kann eine günstige Bewertung anzeigen, aber auch auf erwartete Gewinnrückgänge, Risiken oder strukturelle Probleme hinweisen. Die Kennzahl sollte im Zusammenhang mit dem Unternehmen und seiner Branche betrachtet werden.

Ist eine hohe Dividendenrendite gut?

Nicht unbedingt. Eine hohe Rendite kann auch entstehen, weil der Aktienkurs stark gefallen ist. Prüfe deshalb, ob die Ausschüttung wirtschaftlich tragfähig erscheint und welche Risiken bestehen.

Kann ich den zukünftigen Aktienkurs berechnen?

Nein, nicht zuverlässig. Kennzahlen und Bewertungsmodelle können helfen, verschiedene Szenarien zu untersuchen. Zukünftige Gewinne, Zinsen, Marktbedingungen und Anlegererwartungen bleiben jedoch unsicher.

Wie oft sollte ich eine Aktie analysieren?

Das hängt von der Anlagestrategie ab. Langfristig orientierte Anleger können wichtige Unternehmensberichte und relevante Entwicklungen regelmäßig überprüfen. Häufiges Beobachten des Kurses allein verbessert die Anlageentscheidung nicht automatisch.

Fazit: Unternehmen verstehen statt nur Kurse beobachten

Die Aktienanalyse hilft dir, Geschäftsmodelle, finanzielle Kennzahlen und Bewertungen besser einzuordnen. Umsatz, Gewinn, KGV, Dividendenrendite und Marktkapitalisierung beantworten unterschiedliche Fragen und sollten nicht isoliert verwendet werden.

Eine sorgfältige Analyse kann die Entscheidungsgrundlage verbessern, schützt aber nicht vor Verlusten. Streuung, ein passender Anlagehorizont und ein realistisches Verständnis der Risiken bleiben wichtig.

Weiterlernen: Entdecke weitere Grundlagen in unserem Börsenlexikon für Einsteiger. Lies außerdem Börse und Aktien – Grundlagen für Anfänger sowie ETFs und Fonds einfach erklärt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

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